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Thiede
Sankt Georg Kirche zu Thiede, Altarkreuz

Andacht Oktober 2026
„Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und laßt euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!“, schreibt der Apostel Paulus im Monatsspruch für den Oktober 2026 an die Christen in den Gemeinden in Galatien. (Galater 5, 1)
Freiheit – was für ein großes Wort ! Jeder versteht unter Freiheit etwas anderes, je nachdem in welcher Situation er oder sie ist. Zu DDR-Zeiten war der Begriff Freiheit für viele Menschen dort mit der Sehnsucht nach Reisen in ferne Länder verbunden. Für Menschen im Gefängnis dreht es sich da wohl eher um die Entlassung. Und Suchtkranke sehnen sich danach, endlich nicht mehr trinken, rauchen, kiffen, spritzen oder am Computer spielen zu müssen. Sie alle verbindet die Sehnsucht, ihr Leben frei gestalten zu können.
„Zur Freiheit hat uns Christus befreit.“ Paulus spricht hier von einer Freiheit,
die in der Mitte des Menschen beginnt. Dort, wo Christus Raum gewinnt und mein Leben prägt. Wo er mich mit Gottes Liebe durchströmt. Bedingungslos, ohne Vorleistungen ganz und gar. Christus hat mich erlöst. Deshalb muß ich nichts leisten, keine Norm erfüllen. Auch keine frommen Bedingungen. „Zur Freiheit hat uns Christus befreit!“ Aus diesem doppelten „Frei“ höre ich eine große Vehemenz und Dringlichkeit, die mich berührt. Sie wird durch den folgenden Satz noch verstärkt.
„So steht nun fest und laßt euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen.“
Ich fühle mich ertappt. Obwohl ich weiß, daß ich unendlich geliebt bin,
klage ich mich doch immer wieder an. Obwohl ich mich in vielem frei entscheiden könnte, verhalte ich mich oft so, als wäre ich gebunden. Was denken die anderen? War ich gut genug? Darf ich „Nein“ sagen?
Ich bin befreit und doch voller Einschränkungen. Mir geht es ähnlich wie dem Affen in der folgenden Geschichte: Jäger bohren in eine Kokosnußschale ein Loch, gerade so groß, daß die Hand des Affen hindurchpaßt. Dann füllen sie die Kokosnuß mit Erdnüssen und hängen sie an einen Baum. Der Affe kommt, greift nach den Erdnüssen und ist gefangen. Die Faust, mit der er die Erdnüsse festhält, ist zu groß
für das kleine Loch. Er hängt fest. Eigentlich verrückt. Der Affe könnte frei sein. Warum läßt er nicht los?
Ja warum? Warum neige auch ich immer wieder zum Festklammern an Dingen, an Gedankenmustern, an Erinnerungen und Verhaltensweisen, die mich fesseln und mir meine Freiheit nehmen?
Vielleicht weil ich Gottes Liebe doch nicht vertraue? Weil ich Angst vor dem weiten Raum habe? Weil ich nicht weiß, was ich mit den freien Händen anfangen könnte?
„Zur Freiheit hat uns Christus befreit. So steht nun fest und laßt euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen.“ Wie ermutigend können mir diese Sätze in konkreten Situationen werden,
in denen Befürchtungen und innere Enge mich wieder bedrängen möchten.
Es ist so, als würde mir Paulus zurufen: „Hab keine Angst vor der neuen Freiheit. Laß dir keine Fesseln anlegen. Laß los und tue das, was dir die innere Stimme sagt. Frei und in der Liebe Gottes.“
Diese Freiheit wirkt nach außen. Ein paar Sätze später schreibt Paulus:
„Durch die Liebe diene einer dem anderen.“ Von der Liebe Gottes zu der Liebe zu den Menschen.
Ein Weg zur Freiheit für uns alle, ein guter Lebensweg.
AMEN

Diese Andacht ist konsequenterweise in alter Rechtschreibung verfaßt!

Sankt Georg Kirche zu Thiede, Altarkreuz

Andacht September 2026

Nach dem Sommer empfängt uns der September 2026 mit einem Monatsspruch, der viel mit Gelassenheit zu tun hat. Dort steht im Buch Kohelet: Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind. (Kohelet 4,6). „Vorwärts immer, rückwärts nimmer“ (Erich Honecker).„Wir müssen galliger werden“ / „Wir brauchen Eier“ (Oliver Kahn).
„Probier’s mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit, dann wirfst du den Alltag und die Sorgen fort“. (Balu der Bär).
„Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“.Vier Zitate, die mir wieder begegnen und damit verbindet sich für mich jeweils eine Haltung im Leben. Eine Einstellung zum Leben. Zum Erleben und zum Erlebten. Entspannt oder angespannt, zufrieden oder fordernd, affirmativ oder einladend, motivierend oder erdrückend. Wenn ich von meinem Schreibtisch in den Garten blicke, dann fällt mein Blick zunächst auf ein Buch auf dem Fensterbrett mit dem Titel „Theologie der Gefühle“, und ich erinnere mich dabei an ein Seminar zu „Sorget euch nicht. Gefühle und Gelassenheit“. Das Ziel der Gelassenheit ist die Unabhängigkeit von emotionalen Aufwallungen und Überhitzungen. Gelassen-Sein wird damit zu einer Lebenshaltung, zur höchsten Tugend und verbindet sich mit dem Dankbar-Sein und ist etwas sehr Aktives: Ich verlasse die scheinbaren Sicherheiten und verabschiede mich von ihnen. Eine tiefe Weisheit steckt hinter der Beobachtung des Lassens. Nicht nur, daß weniger manchmal mehr ist, viel mehr ist. Nicht nur, daß so manches nicht in meinen Händen und in meinem Wollen liegt, sondern auch, daß das Streben nach mehr ein Suchtpotential in sich birgt. Wann bin ich denn jemals zufrieden mit dem, wie es gerade ist?
Die permanente Suche kann zur Sucht werden. Die Gier frißt mich von innen auf. Sie nagt aber auch an meinem Selbstbewußtsein. In einem seelsorgerlichen Brief des Zisterzienserabts Bernhard von Clairvaux an Papst Eugen III im Jahr 1150 findet sich Folgendes:
„Es ist viel klüger du entziehst dich von Zeit zu Zeit deinen Beschäftigungen als daß sie dich ziehen und dich an den Punkt führen, an dem du nicht landen willst. Du fragst, an welchen Punkt?  An den Punkt, wo das Herz hart wird. Frage jetzt nicht weiter, was damit gemeint ist;
wenn du jetzt nicht erschrickst, ist dein Herz schon so weit. …
Ja, wer mit sich selbst schlecht umgeht, wem kann der gut sein? Denk also daran: Gönne dich dir selbst. Ich sage nicht: Tu das immer, ich sage nicht: Tu das oft, aber ich sage: Tu es immer wieder einmal. Sei wie für alle anderen auch für dich selbst da.“
Der Ordensvater Bernhard rät höchst seelsorgerlich zu einer Gemütlichkeit, Gelassenheit und Ruhe. Und was für den Papst richtig ist, das kann doch für uns nur recht und billig sein. Achte auf dich, sei sorgsam mit dir. Übe dich ein in das Lassen und in die Kunstfertigkeit der Gelassenheit, damit das Herz vital bleibt. Eine menschliche Entdeckung, Erfahrungswissen einerseits sowie andererseits eine theologische, religiöse Sichtweise. „Von den Besten lernen“ legt die Ratgeberliteratur nahe. Lebenserfahrung gepaart mit weisem Verständnis in die Möglichkeiten und Untiefen des Lebens.            
Eine eigene Haltung zu entdecken, die resilient werden läßt. Dazu noch ein Rat von einem, der das bitter und unter Schmerzen gelernt hat: „Gib dich zufrieden und sei stille in dem Gotte deines Lebens!
In ihm ruht aller Freuden Fülle, ohn ihn mühst du dich vergebens;
er ist dein Quell und deine Sonne, scheint täglich hell zu deiner Wonne.Gib dich zufrieden!“
(Paul Gerhardt, Lied EG 371,1)


Diese Andacht ist konsequenterweise in alter Rechtschreibung verfaß

Wachet, steht im Glauben, seit mutig und seid stark. (1. Kor. 16,13)
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